Jahreshauptversammlung 2026 – Die Donnersberg Relais-Gruppe schafft resiliente kritische Infrastruktur
Am 21. Februar 2026 traf sich die Donnersberg Relais-Gruppe e.V. im Landhotel Berg in Dannenfels zu ihrer zweiten ordentlichen Jahreshauptversammlung seit der Gründung 2023. Wer an diesem Tag dabei war, spürte sehr deutlich: Die DRG ist längst mehr als ein Zusammenschluss engagierter Funkamateure. Sie entwickelt sich zu einem technischen Akteur, der in der Region Donnersberg eine konkrete Funktion erfüllt – als Betreiber zuverlässiger Kommunikationssysteme, als Ansprechpartner für Projekte mit Landesforsten und Landkreis und zunehmend als Baustein einer Krisen- und Notfallkommunikation, die unabhängig von Internet und Mobilfunk funktioniert.
Der Tag begann bewusst technisch – und endete mit einer strategischen Standortbestimmung.
Fachlicher Auftakt: Mesh als Rückgrat unabhängiger Kommunikation
Bereits um 09:00 Uhr startete das traditionelle Mesh-Treffen der Mitglieder und Gäste. Den fachlichen Schwerpunkt setzte der Vortrag von Mario Jeschke, DM1MJ, der Meshcore in der Praxis vorstellte – mit Fokus auf Inbetriebnahme, typische Fehlerquellen, Optimierung und dem zentralen Nutzen als Notfall-Kommunikationssystem.
Im Kern stand die Frage, die heute nicht nur Funkamateure beschäftigt, sondern zunehmend auch Kommunen und Katastrophenschützer:
Wie bleibt Kommunikation möglich, wenn Netze ausfallen?
Im Austausch zeigte sich, dass die DRG keine „Entweder-oder“-Diskussion führt, sondern konsequent in Redundanzen denkt. Meshtastic und Meshcore werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als komplementäre Werkzeuge verstanden: Meshtastic vor allem als robuste Sensor- und Telemetrieplattform (z.B. Pegel- und Umweltdaten), Meshcore als stabiler Kanal für textbasierte Notfallkommunikation, der auch in reduzierten Netzsituationen zuverlässig funktioniert.
Ergänzend stellte Rainer Wieland seine selbstentwickelte LoRa-Platine vor, die in eine Wort-Uhr integriert werden soll. Dahinter steht ein bemerkenswerter Gedanke: Ein Alltagsgerät kann – unauffällig und dauerhaft mitversorgt – zur Krisenkommunikationsschnittstelle werden. Genau solche Ideen zeigen, wie Amateurfunktechnik aus dem Vereinsrahmen heraus in Richtung bürgernaher Resilienzlösungen wachsen kann.
Rückblick 2025: Konsolidierung, Ausbau – und der Schritt in die kritische Infrastruktur
Im Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, Dr. Michael Vorbeck (DB1ID) wurde deutlich, dass 2025 ein Jahr war, in dem nicht nur Systeme aufgebaut oder optimiert wurden. Es war das Jahr, in dem sich die Rolle der DRG verändert hat.
Am Standort Donnersberg wurden bestehende Relais- und Kommunikationssysteme weiter stabilisiert und infrastrukturell so ertüchtigt, dass Erweiterungen möglich sind und Betriebssicherheit steigt. Gleichzeitig wurde der Standort zunehmend in eine Logik eingebunden, die nicht mehr ausschließlich „Amateurfunkbetrieb“ bedeutet, sondern Kommunikationssicherheit im Krisenfall.
Ein zentraler Punkt, der die Bedeutung des Donnersbergs seit 2025 maßgeblich verändert, ist die BOS-Rückfallebene, die durch die DRG am Standort mitgetragen wird:
Auf 4 m und 2 m laufen mittlerweile zwei etablierte Funksysteme im Hintergrund 24/7, dauerhaft betriebsbereit – nicht als Experiment, sondern als echte Rückfallebene. Ergänzend steht ein Digitalfunkgerät, das bei Bedarf als Repeater unmittelbar aufschaltbar ist. Die technische Voraussetzung dafür ist vorhanden, inklusive der Anbindung an drei BOS-Antennen am Standort.
Damit ist klar: Im Szenario eines großflächigen Infrastrukturausfalls – wie er etwa bei der Ahrtal-Katastrophe sichtbar wurde, als klassische Kommunikationsinfrastruktur teilweise nicht verfügbar war – kann diese Ebene sofort aktiviert werden, um Kommunikation sicherzustellen.
Das ist eine qualitative Verschiebung:
Der Donnersberg ist damit nicht nur „ein hoher Standort mit Relaistechnik“, sondern wird funktional zu einem Element der kritischen Infrastruktur – für den Landkreis und im Kontext Rheinland-Pfalz.
Diese Einordnung ist wichtig, weil sie auch erklärt, warum Gespräche und Kooperationen im Jahr 2025 deutlich an Tiefe gewonnen haben.
Kooperationen 2025: Landkreis, Landesforsten und die Perspektive Frühwarnsysteme
Im Jahresverlauf wurden die Kontakte zur Forstbehörde und zum Landkreis weiter vertieft. Besonders das Projektfeld Waldbrandfrüherkennung zeigt, in welche Richtung die DRG denkt: Kamera- und Sensorik-Ansätze, gekoppelt mit autarker Stromversorgung und Funkübertragung, sind nicht „nice to have“, sondern eine Antwort auf reale Risikolagen in Zeiten zunehmender Trockenheit.
Die DRG verfolgt hier nicht die Idee einer „Kamera irgendwo am Mast“, sondern ein Systemgedanke:
Erkennung → Übertragung → Alarmierung → Handlungsfähigkeit, unabhängig von instabilen Netzen.
Der Verein befindet sich weiterhin in einer Förder- und Bewerbungsphase für entsprechende Maßnahmen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten – aber die strategische Positionierung ist erfolgt: Die DRG steht bereit, Technik zu liefern, Konzepte umzusetzen und Betrieb verantwortungsvoll zu begleiten.
Hochwasser-Pegelüberwachung Weierhof: Sensorik wird zur Frühwarnzeit
Ein weiteres Schlüsselfeld ist die Pegelüberwachung am Weierhof. Dort wird nicht „ein Messwert erfasst“, sondern an einer Alarmkette gearbeitet, die in der Praxis Bestand haben muss. Die DRG denkt auch hier konsequent in Redundanz: Sensorik vor Ort, LoRa-Übertragung, Meshtastic als Datenpfad, und perspektivisch eine strukturierte Weiterleitung an ein Basissystem mit definierter Eskalation.
Das Ziel ist nicht eine hübsche Anzeige – das Ziel ist Entscheidungszeit.
Öffentliche Wahrnehmung 2025: Medienresonanz als Signal
Ein weiterer Punkt, der 2025 für die DRG besonders war, ist die öffentliche Resonanz. Der Verein war nicht nur in Fachkreisen Thema. Es gab eine deutlich wahrnehmbare Berichterstattung:
ein großer Artikel in DER RHEINPFALZ
Berichte im SWR – sowohl im regionalen Funk als auch im Fernsehen
Solche Medienberichte sind mehr als Öffentlichkeitsarbeit. Sie sind ein Signal: Die Arbeit wird als relevant wahrgenommen – und sie macht sichtbar, warum ein ehrenamtlich getragener Funkstandort einen echten gesellschaftlichen Wert hat.
Exkursion zur Radiosternwarte Effelsberg
Ein besonderer Höhepunkt des Jahres war die gemeinsame Exkursion zur Radiosternwarte Effelsberg.
Das 100-Meter-Radioteleskop ist ein Symbol für das, was Funktechnik leisten kann. Für die Mitglieder war dieser Besuch mehr als ein Ausflug. Er war eine fachliche Rückbindung an die physikalischen Grundlagen unseres Hobbys und zugleich ein starkes Gemeinschaftserlebnis.
Technische Begeisterung, wissenschaftlicher Kontext und Vereinsidentität trafen dort aufeinander. Gerade in einem Jahr, in dem viel organisatorisch und infrastrukturell gearbeitet wurde, war Effelsberg ein wichtiges Zeichen: Die DRG bleibt auch in ihrer fachlichen Neugier verwurzelt.
Finanzielle Situation: angespannt, aber strategisch lösungsorientiert
Im Bericht des Kassenwartes, Uli Scheiba (DD9PN) wurde offen dargelegt, dass die finanzielle Lage angespannt bleibt. Infrastruktur, Betrieb, laufende Kosten und Investitionen sind nicht allein durch Mitgliedsbeiträge dauerhaft zu tragen. Der Verein wird daher auch 2026 gezielt die Mittelakquise ausbauen – durch Gespräche mit umliegenden Ortsvereinen, durch projektbezogene Spenden und durch die Prüfung von Fördermöglichkeiten auf DARC-Ebene sowie in Kooperation mit dem Landkreis, insbesondere im Kontext Notstrom und Standortautarkie.
Nach dem Bericht der Kassenprüfer wurde der Vorstand entlastet.
Ausblick 2026: Autarkie, Alarmierung, neue Systeme – und Systemintegration
Für 2026 zeichnete sich in der Versammlung ein klarer Kurs ab. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung des Standorts Donnersberg hin zu einem noch resilienteren Systemverbund.
Ein Kernprojekt ist der Ausbau von Photovoltaik und Notstromversorgung, ergänzt durch die Prüfung eines Windrades. Dahinter steht keine Komfortidee, sondern eine operative Notwendigkeit: Kommunikation muss auch bei längeren Netzausfällen funktionieren – und ein Standort dieser Bedeutung darf nicht am Strom scheitern.
Gleichzeitig soll die Einrichtung eines 23-cm-Relais weiter vorangetrieben werden, um technische Kapazität und Redundanz zu erhöhen.
Mit DAPNET/POCSAG auf 70 cm soll ein Alarmierungssystem aufgebaut werden, das Vereinsmitglieder bei Störungen oder kritischen Ereignissen zuverlässig informiert – unabhängig von Messenger-Diensten.
Auch die Prüfung eines CB-Relais wurde als strategische Option diskutiert: Reichweite für Jedermannfunk, Nachwuchsgewinnung, und eine zusätzliche Notfunk-Schiene, die bewusst auch Nichtlizensierte einbindet.
Im LoRa-Bereich wird die bereits eingeschlagene Dual-Strategie fortgeführt: Meshtastic bleibt die Plattform für Sensorik, Meshcore wird als Notfall-Chat-System mit leistungsstarker Antenne am Mast etabliert. Beides parallel zu betreiben ist kein Mehraufwand ohne Sinn – es ist Resilienz durch funktionale Trennung.
Abschluss: Technik ist das Werkzeug – Gemeinschaft ist die Kraft
Gegen 17:00 Uhr schloss die Versammlung mit einem Dank des Vorsitzenden an alle Mitglieder und Gäste. Dieser Dank war mehr als Routine: Die DRG lebt davon, dass Menschen Zeit, Kompetenz, Kreativität und Verantwortungsgefühl einbringen. Gerade in einer Phase, in der der Verein in Richtung kritische Infrastruktur wächst, ist genau dieses ehrenamtliche Fundament entscheidend.
Die Botschaft des Tages war eindeutig:
Viele Projekte stehen an. 2026 wird anspruchsvoll. Aber die Richtung stimmt – und gemeinsam wird es gelingen.










